Erste zeigt Leistung mit Tradition, Zweite gewinnt ohne Tradition, Dritte trotzt der Tradition, Alte Herren ärgern Tradition

Geschrieben von Georg Preußing am . Veröffentlicht in Senioren

Vier Punkte brachten unsere Seniorenmannschaften aus den Auswärtsspielen des Wochenendes mit. Dabei zeigte unsere erste Mannschaft die schon traditionell schwache Leistung, wenn es auf einen Aschenplatz geht, und verlor 1:3 beim TSV Donnerberg. Unsere zweite Mannschaft hatte am Wochenende mit Tradition nichts am Hut und konnte daher souverän mit 5:2 beim BTV II gewinnen. Auch die dritte Mannschaft tut sich auf einem Aschenplatz traditionell schwer, trotzte aber dieser Regel und holte als erste Mannschaft in dieser Saison einen Punkt in Steckenborn. Unsere Alte Herren trafen am Samstag auf das, was übrig bleibt, wenn in und um einen Fußballverein alles zusammenbricht: Tradition! Gegen Alemannia Aachen verlor man zwar traditionell, aber knapp mit 0:1. Mehr zu diesem Spiel weiter unten.

 

Unsere dritte Mannschaft zeigte beim Komet aus Steckenborn auf ungewohnter Asche eine kämpferisch starke und taktisch disziplinierte Leistung. Fast hätte es auch zu einem Dreier gereicht, jedoch konnten die Gastgeber das Führungstor von Jakob Orschulik in der letzten Spielminute noch ausgleichen. Allerdings ging diesem Treffer ein deutliches Handspiel voraus, weshalb die Gastgeber eher schmeichelhaft zu einem Punktgewinn kamen. Unsere Mannschaft hat damit den Aufwärtstrend bestätigt und nun wieder Anschluss an das obere Tabellendrittel.

Keine Probleme hatte unsere zweite Mannschaft beim BTV. Bereits zur Halbzeit führte man durch Tore von Cedric Mommertz (2), Max Brauers und Mischa Laschet mit 4:0 und spielte dabei aus einer kompakten Ordnung schnell und zielstrebig nach vorne. Die Zielstrebigkeit ging jedoch in Durchgang zwei ein wenig verloren, so dass die Gastgeber optisch überlegen agierten, ohne jedoch allzu gefährlich zu werden. Am Ende stand ein ungefährdeter 5:2 Erfolg, bei dem Daniel Müller den fünften Treffer beisteuerte. Damit bleibt man in Schlagdistanz zum Tabellenführer.

Auch die erste Mannschaft hatte am Sonntagmittag einen Termin, in dessen Verlauf sie sang- und klanglos mit 1:3 beim TSV Donnerberg verlor. Nächste Woche erwartet man das Team von der SG Stolberg und man darf gespannt sein, in welche Richtung das Pendel der nach oben und unten offenen Leistungsskala unserer Mannschaft ausschlägt.

Gegner der Alten Herren war die Traditionself von Alemannia Aachen, die es traditionell gewöhnt ist, ihre Spiele zu gewinnen. Dazu  wäre es aber aus mehreren Gründen fast nicht gekommen. Immerhin hatte man – da es traditionell nicht ohne geht - im Vorfeld für einen Schiedsrichter gesorgt, den man von alemannischer Seite einer alten Tradition aus Profi-Zeiten folgend bei der Ausübung seiner Tätigkeit tatkräftig unterstützte, u.a. indem man ihm zentimetergenaue Abseitsstellungen zurief: „Schiedsrichter, Abseits! Mindestens 1,50 Meter“! Das stimmte aber nicht, denn anwesende Vermessungstechniker unter den zahlreich nicht erschienenen Zuschauern verorteten die Abseitsstellung auf exakt 1,45 Meter, weshalb der Schiedsrichter in dieser Situation konsequenter Weise auch nicht pfiff. Unsere Mannschaft wollte da nicht hintenanstehen und folgte der „Schiedsrichter-lautstark-unterstützen-Tradition“, weil es eben traditionell auch im Kreisliga-Bereich so schon immer gemacht wurde. Daher gab es ein zwar nicht unbedingt hochklassiges, dafür aber phonetisch äußerst intensives Spiel zu belauschen. Hierbei folgte der Schiedsrichter seiner eigenen Tradition, die er sich über Jahrzehnte in der Rolle als Spielleiter angeeignet hatte: alles an sich abprallen lassen unter Vortäuschen von Blind- und Taubheit! Um Ballnähtenbreite jedoch wäre es zu einem Spiel erst gar nicht gekommen. Denn nicht nur aus traditionellen Gründen, sondern vor allem, weil es im Regelbuch steht, gehören zu einem Fußballspiel zwei Mannschaften zu elf Spielern, ein Fußballplatz, ein Schiedsrichter und ein Fußball. Drei der genannten vier Zubehörteile waren vorhanden. Überrascht zeigten sich jedoch alle Beteiligten, als man feststellte, dass auf dem von der Stadt Aachen – das Einverständnis freundlicher Aachener Steuerzahler vorausgesetzt -  der Alemannia zur Benutzung überlassenem Sportgelände mit einer Gesamtfläche von geschätzt einem Quadratkilometer zwar fünf Fußballplätze zu finden sind (wahlweise mit Tribünen drum herum oder mit Parkplätzen unten drunter), jedoch kein einziger Fußball. Als gerade erste Witze über abgelaufene Fußball-Prepaid-Karten oder nicht bezahlte Ball-Leasing-Raten die Runde machten, zeigte sich, was wahre Alemannia-Tradition ist: Irgendwer hatte von irgendwem irgendwie irgendwann irgendwo ein Netz mit Bällen erhalten, welches sich urplötzlich aus dem Nichts – wie seinerzeit das Finanzloch – vor den spielbereiten Mannschaften materialisierte. Woher die Bälle kamen, bleibt – ähnlich wie das Finanzloch - ein weiteres ungelöstes Mirakel in schwarz-gelb. Als das Spiel dann begann, zeigte sich schnell, dass - im Unterschied zum Geld- Tradition definitiv keine Tore schießt. Denn unsere Alten Herren verteidigten geschickt den Alemannischen Ballbesitzfußball guardiolascher Prägung im Format tacka-tucka, konterten aber mit einem Umschaltspiel klopposcher Prägung im Format „schieße weit und laufe schnell“ eher ungeschickt und verpassten so im Laufe des Spiels einen durchaus möglichen Führungstreffer. Im weiteren Verlauf standen sich zwei Mannschaften mit immer unversöhnlicherem Ehrgeiz gegenüber: Auf der einen Seite unsere Mannschaft mit einer erstmals realistischen Chance auf einen Sieg gegen so viel Tradition, auf der anderen Seiten die Traditionself mit dem Ziel, die Tradition der traditionell gewonnen Spiele nicht an diesem Tag enden zu lassen. Das Spiel entschied dann ein verzweifelter Ausruf eines Traditionsspielers. Als dieser zum wiederholten Male zunächst einen Zweikampf und anschließend den Ball verlor, ging er auch seiner inneren Gefasstheit verlustig und rief mit vor Erregung sich überschlagender Stimme: „Aber wir sind doch Tradition!“ Da erst verstanden unsere Spieler, dass hier mehr auf dem Spiel stand, als ein Samstagnachmittag-Kick, an dem man teilnimmt, um mal raus zu kommen. So ließen sie in den Schlussminuten dann auch ab von den Tivoli-Granden, sondern eskortierten einen von ihnen in den Strafraum, um dort ein derart sichtbares Handspiel zu begehen, dass selbst der vollständig mit dem alles an sich abprallen lassen beschäftigte Schiedsrichter nicht umhin kam, auf Strafstoß zu entscheiden. Nachdem unser Keeper zur Sicherheit frühzeitig eine Ecke geräumt und der Ball in dieser die Torlinie überquert hatte, war der Tradition genüge getan. In Zeiten, die für einen Fußballverein wie Alemannia Aachen derart unsicher sind, ist ein stabiles Fundament wichtig – und wenn dafür die Siege der Traditionself herhalten müssen. Insofern kann man nur wünschen, dass unsere Mannschaft durch dieses Spiel ihren Beitrag zur weiteren Sanierung des Clubs geleistet hat, was sicher auch den freundlichen Aachener Steuerzahler freuen würde. Übrigens: Eine Flasche hochprozentigen, kräuterhaltigen Hustensaft gab es im Anschluss leider nicht zu gewinnen, weil die schöne Tradition des Würfelns am Tivioli offenbar noch nicht angekommen ist. Schade eigentlich, denn einer Hochrechnung des Kassierers unsere Alten Herren zufolge, lässt sich alleine durch das Würfeln um hochprozentige Getränke ein jährlicher Zuschuss von mehreren hundert Euro verdienen. Einnahmen also, die man auf Seiten der Alemannia traditionell gut gebrauchen könnte. Aber eventuell kommen sie ja am Tivoli noch auf den Geschmack, wenn demnächst das Spielcasino dort seine Türen öffnet. Wobei Alemannia und Glücksspiel nun wirklich nichts miteinander zu tun haben – und wenn doch, dann fällt das alles unter Tradition.